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 Lübben, 08. April 2016, 02:44 Uhr, von Ingrid Hoberg

Die Stadt Lübben will nach der Sanierung des sowjetischen Ehrenmals Kontakte weiter pflegen

Lübben Botschaftsrat Vadim Danilin von der russischen Botschaft hat gestern Lübben besucht. Im Paul-Gerhardt-Gymnasium haben Schüler dem Diplomaten Fragen zur aktuellen Politik gestellt.

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Der Botschaftsrat im Gespräch mit Lübbener Gymnasiasten. Foto: ho

Vadim Danilin ist ein erfahrener Diplomat. Er arbeitete für die Moskauer Stadtregierung, war Leiter der Abteilung für internationale Stadtverbindungen und leitete als Generaldirektor die weltweit tätige deutsche Firma Herrenknecht. "Seit vergangenem Jahr bin ich wieder im diplomatischen Dienst", erklärte er den Schülern der 11. und 12. Klassen des Paul-Gerhardt-Gymnasiums Lübben. Sie nahmen kurzfristig außerhalb des Unterrichts an dieser Veranstaltung teil.

In der Aula stellte der Gast in einem Vortrag seine Heimat Russland vor – zeigte die geografischen Dimensionen des flächenmäßig größten Staats der Erde. Er gab aber auch einen Abriss der russischen Geschichte, die mit der deutschen über Jahrhunderte eng verwoben ist. Er erläuterte den Staatsaufbau und die präsidiale Republik, die der in Frankreich gleicht. Dazu kam aus den Reihen der Zuhörer die Frage, was er vom Begriff der "defekten Demokratie" halte. In einem Kurs Politische Bildung haben sich Gymnasiasten gerade mit diesem Thema der Politikwissenschaft beschäftigt. "Das müssen Sie die Leute fragen, die diesen Begriff gebrauchen", sagte er und betonte: "Unsere Verfassung bietet alle Möglichkeiten."

Die Schüler sprachen viele weitere Themen an, beispielsweise den Ukraine-Konflikt, die Auswirkung von europäischen Wirtschaftssanktionen auf die russische Wirtschaft und den Kampf gegen den Terrorismus. Ausführlich ging der Botschaftsrat auf die Frage ein, ob sich Russland durch die Nato bedrängt fühle. "Natürlich fühlt sich Russland bedroht, es ist ja inzwischen von Mitgliedsstaaten umringt", erklärte er. Zur Flüchtlingsthematik merkte er an, dass Deutschland sich fair verhalte. "Menschen in Not muss geholfen werden", sagte er und verwies darauf, dass Russland mit der Aufnahme von Migranten bei der Auflösung der Sowjetunion Erfahrungen gesammelt habe. Millionen Menschen seien damals aus den ehemaligen Republiken nach Russland gegangen, weil sie bessere Chancen für ihr Leben erhofften.

In der Zukunft sehe er Russland als Teil einer multipolaren Welt, sagte er zum Abschluss. Bei einer Führung durch das Museum und den Wappensaal hatte er zuvor Lübbener Geschichte kennengelernt. Die für den Nachmittag geplante Kahnfahrt fiel wegen des regnerischen Aprilwetters aus. Die Stadt Lübben will die Kontakte mit der russischen Botschaft weiter pflegen, wie Bürgermeister Lars Kolan (SPD) sagte. Der russische Staat hat 2015 die Sanierung des sowjetischen Ehrenmals am Hain mit 43 000 Euro unterstützt.

 

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